13 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte – Lebenserfahrung Teil I

In 26 Lebensjahren sammelt man sehr viele Erfahrungen. Die Art von Erfahrungen, um die es hier gehen soll, sammelt man nach meinem Empfinden erst ab dem 15. oder 16. Lebensjahr. Natürlich sammelt man davor auch Lebenserfahrungen, aber das sind weniger bewusste Erfahrungen. Hier geht es mehr um den Typ “schon mal gemacht und auf die Schnauze gefallen” und natürlich um Lebensweisheiten, die man nur durch jahrelange Beobachtungen überhaupt erlangen kann, weil sich viele Dinge erst über eine lange Zeit entwickeln und erkennen lassen. Während meinem einjährigen US-Aufenthalt 1999 habe ich sehr oft davon gesprochen, dass man eigentlich gar keine Erfahrung braucht, um Aufgaben erfolgreich zu meistern –  wie töricht von mir. Dieser jugendliche Leichtsinn hat sich mittlerweile in große Ehrfurcht vor erfahrenen Menschen gewandelt. Wenn ich heute an Problemstellungen herangehe dann suche ich oft zuerst nach einem Experten und versuche z. B. in einem Gespräch die Problemstellung genauer zu fixieren – oftmals stellt sich nämlich heraus, dass das Problem gar nicht an der vermuteten Stelle lag. Auch eine Erkenntnis, durch die sich langes Suchen nach der Lösung erübrigt.

Wie oft wünscht man sich, dass man die gerade gemachte Erfahrung schon etwas früher gehabt hätte, oftmals erspart man sich dadurch viel Zeit und Ärger.

Was wäre passiert, wenn man einige Stunden Französisch-Unterricht gestrichen hätte und mit Kursen zur “Persönlichen Entwicklung” ersetzt hätte (kennt jemand eine bessere Übersetzung von “personal development”?).

Im folgenden zähle ich einige der Weisheiten, Erfahrungen, Konzepte und Perspektiven auf, von denen ich gerne schon in der Schule erfahren hätte.

1. Die 80/20 Regel

Egal ob Arbeitsleben oder privat. Mit der 80/20 auch bekannt unter der Bezeichnung Pareto Prinzip nutzt man seine Zeit viel effizienter. Pareto untersuchte die Verteilung des Volksvermögens in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Familien ca. 80 % des Vermögens besitzen. Banken sollten sich also vornehmlich um diese 20 % der Menschen kümmern und ein Großteil ihrer Auftragslage wäre gesichert. (Quelle: wikipedia).

In einem Satz erklärt: 80 % des gewünschten Ergebnisses erreicht man mit 20 % der Zeit / Aktivitäten. Man kann sich sehr oft viel Zeit ersparen. Oft sucht man nach einer besseren Lösung obwohl diese gar nicht vorhanden ist oder noch viel schlimmer eigentlich gar nicht nötig, da das Ziel auch so erreicht werden kann. Beispiel: beim Schreiben der Diplomarbeit recherchiert man sehr lange viele Quellen und merkt dann beim intensiveren Betrachten der ersten Quellen, dass man die Quelle nicht braucht. Perfektionisten haben hier massive Schwierigkeiten und sollten sich intensiver mit dem Pareto-Prinzip beschäftigen.

Man kann sich sehr leicht zur konsequenten Anwendung dieser Regel motivieren, wenn man sich überlegt, dass man dadurch massiv mehr Zeit und Energie für die Dinge im Leben hat, die einen wirklich erfüllen und glücklich machen.

2. Parkinson’s Law

Man ist schneller als man denkt. Diese Regel besagt, dass Bearbeitungszeit für eine Aufgabe und die vermutete Komplexität der Aufgabe mit der Länge der veranschlagten Zeit für die Aufgabe zusammenhängt. Veranschaulicht an einem Beispiel: Wenn man sich selbst für die Lösung eines Problems eine Woche lang Zeit gibt, dann passiert es sehr oft, dass die Aufgabe scheinbar schwieriger und umfassender wird, weil man mit dem vorhanden Zeitbudget erst sehr unfokussiert an der Lösung arbeitet. Natürlich spielt die Qualität bei der Lösung einer Aufgabe sehr oft eine wichtige Rolle und eine qualitativ-hochwertige Lösung fordert in der Regel ein höheres Zeitbudget.

Die Lösung: Fokussierung eines kleinen Zeitbudgets auf das Finden der Lösung. Als ich früher an eine große Aufgabe gemacht habe ist es mir oft passiert, dass ich versucht habe die Aufgabe besser zu verstehen (Hintergründe, Zusammenhänge etc.) und mich somit eigentlich, ähnlich wie im Studium, damit beschäftigt habe mein Wissensschatz auszubauen aber nicht konkret an der Lösung der Aufgabe gearbeitet zu haben. Grundsätzlich spricht natürlich nichts dagegen sein Wissen zu erweitern, man sollte aber klar trennen können, wann man an der Lösung einer Aufgabe arbeitet und wann man sich weiterbildet.

Noch eine wichtige Anmerkung: Selbst wenn die Aufgabe nicht so perfekt wie theoretisch möglich gelöst wurde, kann die vorhandene „quick & dirty“ Lösung den gewünschten Effekt (oder wie man in der BWL sagen würde „Wertbeitrag“ oder engl. „value“) in gleichem Maße erfüllen. Siehe auch 80-20 Regel. Es kann auch sein, dass das Ergebnis besser ist, weil keine Zeit für eine komplexe Lösung geblieben ist.

Parkinson’s Law hilft mir meine Aufgaben schneller zu erledigen, besser zu fokussieren und macht wertvolle Zeit frei für weitere Aufgaben. Außerdem kann man es so verhindern, dass viele, nicht gelöste Aufgaben auf der To-Do Liste stehen und somit Stress verursachen.

3. Visualisieren

Unter Visualisieren versteht man u.a. die gedankliche Aufbereitung einer Aufgabe / Tätigkeit etc. Man nutzt dabei seine Vorstellungskraft und stellt sich im Detail vor wie die Aufgabe ausgeführt wird. In vielen Situation hilft es auch, die Augen zu schließen, um sich ganz auf die Vorstellung einlassen zu können. Es gibt zwei Anwendungsgebiete:

a.) die Technik wird von vielen Profi-Sportlern verwendet, um keine Fehler bei zeit unkritischen Herausforderungen wie Elfmeter-Schießen oder Stabhochsprung (man muss nicht blitzschnell reagieren sondern hat eine kurze Vorbereitungszeit) zu machen. Der Sportler spielt gedanklich die Bewegungen beim Elfmeter-Schuss drei bis viermal durch und setzt dann zum Schuss an. Er kann Fehler im Ablauf korrigieren, obwohl er den Schuss noch gar nicht ausgeführt hat.

b.) nicht wenige Zeitgenossen haben ihre Probleme mit dem Aufschieben. Man denkt an eine Aufgabe, hat keine Lust und entscheidet kurzerhand, die Aufgabe neu zu terminieren bzw. einfach aufzuschieben. Das Gefühl der Unlust kann man recht einfach in den Griff bekommen. Man stellt sich vor, wie man die Aufgabe abarbeitet und sich nach Erledigung der Sache gut fühlt und z.B. seine Freizeit oder eine kleine Belohnung genießt. Es geht dabei einfach darum, die negative Gefühlslage, die automatisch auftritt, wenn man an die Aufgabe denkt, in eine positive umzuwandeln und diese positive Stimmung dazu zu nutzen, direkt mit Erledigung der Aufgabe zu starten.

4.Bündeln / Zusammenfassen

Routine-Aufgaben, die oft auch in die Kategorie “ohne Grips” fallen, sollte man immer zusammenfassen und alle direkt nacheinander abarbeiten (Rechnungen bezahlen, Einkaufen, Schreibtisch aufräumen etc.). Man erledigt die Aufgaben schneller weil man weniger Startzeit benötigt (Startzeit könnte z.B. der Login ins Online-Banking sein oder der Weg in den Supermarkt). Man konzentriert sich auf diese Aufgaben und hat danach den Kopf frei für die anspruchsvollen oder freizeitlichen Herausforderungen 🙂

5. Proaktiv anstatt reaktiv

Wenn jeder nur reaktiv wäre, würde sehr wenig auf der Welt passieren. Ich stoße gerne neue Dinge an. Warum? Man ist per se schneller, weil man die Aktion angestoßen hat und hat natürlich a.) ein besseres Gefühl hat, wenn man sich die Aktion und den evt. daraus resultierenden Erfolg selbst zuschreiben kann und b.) man hat das Gefühl etwas steuern zu können und wird nicht von anderen in eine evt. unerwünschte Richtung hineinmanövriert.

6. Fehler und Scheitern ist gut

Als junger Mensch macht man viele Fehler und probiert ganz natürlich viel aus. Mit zunehmendem Alter wird einem z.B. in der Schule beigebracht, dass man nicht mehr soviele Fehler machen sollte. Und das fürht intuitiv dazu, dass man weniger ausprobiert und auf bekannten Pfaden seine Wege beschreitet.

Die Angst davor zu scheitern oder einen Fehler zu begehen kann übergroß werden und den Einzelnen davon abhalten, sich zu entfalten und seine Talente richtig einzusetzen.

Was passiert wenn man scheitert oder Fehler begeht? Wird man ausgelacht oder wird einem ewta die Freundschaft gekündigt? Das passiert wohl eher selten. Meine Erfahrung ist, dass es schon vorkommen kann, dass man belächelt wird, aber es wird einem oftmals auch Mut und Ehrgeiz etc. zugesprochen.

Erfolgreich kann man nur sein, wenn man immer wieder Fehler macht und die Fehler versteht und in Zukunft vermeidet. Fehler zu machen kann sehr hart sein, aber sie bringen einen persönlich weiter und führen schlussendlich dazu, dass man einige Erfolge feiern kann.

7. Nervosität verringern

Neue Leute kennenzulernen macht Spass. Oft tut man sich aber etwas schwer und wird eventuell nervös, wenn man nicht gleich das richtige Gesprächsthema findet. Ein guter Weg um mit dieser Situation zurecht zukommen ist anzunehmen, dass man gerade einen seiner besten Freunde trifft. Ich habe das jetzt schon mehrmals probiert und man geht an die Person viel lockerer und natürlicher heran.

…to be continued (6 fehlen ja noch :-))

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3 Responses to 13 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte – Lebenserfahrung Teil I

  1. Feliks 28. April 2008 at 15:09 #

    Wertvoller Beitrag, danke 🙂

  2. lemming 27. May 2008 at 14:01 #

    Wow.
    Ich sehe schon “Christian Angele – StartUp-Motivations-Trainer” Mit 100.000 Auflage und Vorträge in der ganzen Republik – jedes Wochenende.
    Die meisten Punkte die du angesprochen hast, sehe ich genau so wie du. Besonders die 80-20-Regel ist für Perfektionisten Ideal um nicht zu scheitern und für Schnarchnasen überhaupt etwas gebacken zu bekommen.

  3. Antoon 6. October 2016 at 12:23 #

    Interessanter Blog. Zur FrageÖ “Was wäre passiert, wenn man einige Stunden Französisch-Unterricht gestrichen hätte und mit Kursen zur “Persönlichen Entwicklung” ersetzt hätte (kennt jemand eine bessere Übersetzung von “personal development”?)”.

    “Personal growth” ist eine oft genutzte Alternative, aber weil “der Mensch am Du zum ich” wird (M. Buber) wünschte ich mir diese Stunden überschrieben mit “Wie gehe ich mit mir, mit Dir, wie gehen wir mit uns um”.

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